Moskau – St.Petersburg

А кто это , Гете?

Ihr Lieben,

wer Puschkin sei, wurde der Stadtführer der gastgebenden Hochschule gefragt. Nun fällt mir auf Anhieb auch kein Gedicht von ihm ein, obwohl wir mindestens zwei in der Schule lernen mussten, aber dass man mit dem Namen Puschkin gar nichts anfangen kann, scheint mir symptomatisch für den Umgang mit den Russen zu sein.

Ich war zu diesem Zeitpunkt noch fleißig auf Arbeit in Dresden und kann den weiteren Verlauf des Gesprächs und vor allem die Erklärung des Gastgebers nicht wiedergeben, in einem aber bin ich mir ziemlich sicher: Dass Defizite dieser Art auf russischer Seite weitaus seltener vorkommen als bei uns. Wir haben kein Museum, keine Kirche gesehen, auf dessen Preistafel nicht stand: Kinder bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Goethe wird hier jeder kennen.

Die Tretjakow-Galerie
Die Tretjakow-Galerie

Die Tretjakowskaja Galereja ist zum Beispiel so ein weltberühmtes Museum und das erste, was wir heute gemeinsam angesteuert haben. Angefangen haben wir im zweiten Stock, zielstrebig fanden wir die Peredwischniki. Wir waren vor ein paar Jahren mal mit Schmidts in Chemnitz und damals sehr angetan, zum Beispiel von den Saporoger Kosaken, die dem türkischen Sultan einen Brief schreiben :

Die Saporoger Kosaken schreiben dem türkischen Sultan einen Brief. Ilja_Jefimowitsch_Repin 1880-1891, Russisches Museum. Quelle Wikipedia, lizenziert als gemeinfrei über Wikimedia Commons
Die Saporoger Kosaken schreiben dem türkischen Sultan einen Brief, Ilja Jefimowitsch Repin 1880-1891, Russisches Museum. Lizenziert als gemeinfrei über Wikimedia Commons

Der Inhalt des Briefes ist übrigens nicht jugendfrei und scheint in Mat geschrieben worden zu sein.
Das Geschriebene muss man googeln, das wird nicht ausgestellt, was aber ständig zu sehen ist, sind Gruppen von Kindern, die von einer „Märchenoma“ über die Bedeutung und die Geschichten hinter den Bildern aufgeklärt werden. Mir kam es so vor, als ob diese Omas die Kinder einfach um sich scharren, ohne dass man sich anmelden muss oder irgendwas bucht, genau weiß ich es aber nicht.

Im Erdgeschoss die Ikonen haben wir im Schnelldurchlauf abgehakt, nicht mal küssen durfte man die. Wir waren stattdessen nach zwei Stunden in der hauseigenen Stolowaja und aßen Pelmeni, Salat, Buletyi, dazu gab’s unbekannten Saft, dann ging es weiter Richtung Roter Platz. Dazu mussten wir über einen Seitenarm der Moskwa. Die Brücke auf dem Weg wurde immer mit Liebesschlössern zugehängt, bis dafür extra künstliche Bäume angeschafft worden. Der Menge nach zu urteilen, verlieben sich entweder alle immer wieder neu oder es muss jedes Jahr ein neues Schloss her. Die ältesten Bäume tragen jedenfalls schon verrostete Lieben, alleine um das Sprichwort widerlegen zu können, hat sich die Reise gelohnt: Alte Liebe rostet doch. Und die Hochzeits-Limousinen sehen aus wie rollende Särge. Das sind Erkenntnisse…

Bäume mit Liebesschlössern
Bäume mit Liebesschlössern
Die Ehe beginnt im Sarg
Die Ehe beginnt im Sarg

Weiter ging’s, noch eine Brücke stand auf dem Weg, diesmal die, wo Boris Nemzow vor ein paar Wochen erschossen wurde, selbstverständlich hatten weder Putin noch die Mafia ihre Finger im Spiel. Täglich frische Blumen, politische Sprüche und ausgedruckte Bilder machen den Platz zu einem beliebten Fotomotiv.

Basilius-Kathedrale, Roter Platz, GUM, Erlöserkirche mit Mummenschanz (klang aber schön) und so weiter – alles abgehakt. Ins Lenin-Mausoleum haben wir es nicht geschafft, das schließt 13:00 Uhr und wir hatten immer Besseres zu tun. Heute waren wir z.B. im Kreml, in der Schatzkammer, saßen aber auch viel im Park, beobachteten Leute und versuchten, die russische Seele, insbesondere die weibliche, zu erkennen. Und wollten rauskriegen, ab welchem Alter die russische Sexbombe schlagartig zur Babuschka wird. Erfolglos.

Der Rote Platz aus einer ungünstigen Perspektive, es wurde gerade eine Riesenbühne für irgendein Event aufgebaut
Der Rote Platz aus einer ungünstigen Perspektive, es wurde gerade eine Riesenbühne für irgendein Event aufgebaut

Nun warten wir gerade am Leningradski Vokzal – Ленинградский Вокзал, habe mir schließlich extra eine russische Tastatur installiert – 22:10 Uhr fahren wir Richtung St. Petersburg, wo wir 06:20 Uhr ankommen. Auf dem Bahnhof, im ganzen Gebäude riecht es entsetzlich nach Urin oder Kanalisation. Typisch für Bahnhöfe ist auch das passende Publikum davor vertreten.


Kurz ein paar Infos:

Das Wetter ist angenehm, ich schätze zwischen 22 und 25 Grad, ab und zu ziehen dunkle Wolken vorüber, die Sonne scheint oft.

Internet ist in allen Moskauer Metros kostenlos, man muss sich aber registrieren mit Handy-Nr., das hat bei uns nicht geklappt. Ich habe den Verdacht, dass unser deutscher Provider Simyo die Bestätigungs-SMS sperrt. Ansonsten kosten Anrufe von und nach Deutschland 99 Cent, ebenso eine SMS.

Bleibt gesund!

Целую /мишенка и его жена

Zugabe, Zugabe, Zugabe

Ok ok: