Bierlumineszenz

Am vierten Juli des vorvergangenen Jahres irrte sich Jochen Lux fatal. Er war leuchtend und blinkend, auf der Suche nach einer Partnerin, durch die schwülwarme Luft der erzgebirgischen Pittoreske Geising getorkelt – wie Glühwürmchen das eben tun – als er sein Blinken erwidert sah und zum Sturzflattern auf die holde Weiblichkeit ansetzte.

Viel zu spät für ein effektives Bremsmanöver erkannte er, dass es sich lediglich um die spiegelglatte Oberfläche eines mit Bier gefüllten und in das Erdreich eingelassenen Napfes handelte. Panisch versuchte er, das rettende Ufer zu erreichen und schluckte dabei Unmengen, ein Wunder, dass er nicht ertrank. Völlig erschöpft und mit nassen Flügeln saß er später auf dem Rand des Napfes, als SIE kam. So eine schöne Glühwürmchin hatte er noch nie gesehen. Sie war groß, ja riesig, er begann sofort aus Leibeskräften zu leuchten. Ein Funkeln antwortete ihm.

Zwei Jahre später stapft Julischka in einer lauen Sommernacht durch den schon dunklen Garten, der vor leuchtenden Würsten nur so wimmelt. Die Glücke, eine Kreuzung aus Glühwürmchen und Nacktschnecke, hat keine natürlichen Feinde.

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