Po polsku – Nr. 2

Bogdan Koslowski aß schon immer für drei. Als er schließlich mit 30 Jahren 180 Kilo wog, fing er an zu predigen. Seine innig entbrannte Liebe galt der Jungfrau Maria und sie enthob ihn jeglicher fleischlichen Teilhabe am allgemeinen Tanz der Geschlechter, ja sie gab ihm zusätzlich die Möglichkeit, diesen fortan als schmutzig und verabscheuungswürdig zu geiseln. Besonders gern frönte er diesem Hobby im Kloster der Schwestern von Nazareth in Komańcza, hatten diese doch auf Grund ihres demütigen Lebenswandels nicht die geringste Chance, seinen stundenlangen Bibelrezitationen und zahllosen Amens aus dem Weg zu gehen.

Bewirkten seine Zaubersprüche etwas?

Po polsku – Nr. 1

Kurz nachdem der Trompeter auf dem Turm der Marienkirche in der unerwartet großen Stadt Krakau begonnen hatte, die anreisenden Forscher aus dem Land jenseits der untergehenden Sonne einem musikalischen Hund gleich zu verblasen, traf ihn hinterrücks der Pfeil der Tartaren aus dem fernen Osten und er konnte seinen Irrtum nicht mehr erkennen: Die Fremden aus dem Westen waren diesmal in Frieden gekommen und ausschließlich an Land und Leuten und insbesondere an der regionalen Küche interessiert. Sie zogen nach ausgiebigem Stadtbummel und einer unruhigen Nacht im Hostel „High Life“ weiter in Richtung Berge, zusätzlich nun Ruhe und eine maßvolle Einsamkeit suchend.
Wann immer sie diese fanden und die Wandermühen des Tages genügend Kraft gelassen hatten, fertigte einer der Reisenden kurze Notizen von Begegnungen mit verschiedenen Bewohnern und Besuchern der Bieszczady, Waldkarpaten genannten Gegend an.

Zum Beispiel?

Cześć!

Polen war und ist herrlich und kann nur immer wieder empfohlen werden. Die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen fällt sofort auf. Später mehr, jetzt nur ein Video, welches mich kichern ließ: Wir saßen in Sanok in einer kleinen Gospoda vor dem Eingang des Freilichtmuseums der Volksbauweise und aßen Kwasnica und Borschtsch mit weißen Riesenbohnen, als diese Musik im Hintergrund lief. Unter viel Gelächter und mit Händen und Füßen brachte ich bei den Kellnerinnen den Namen der Band Siklawa in Erfahrung.
Genuscheltes und gezischtes Russisch führte übrigens nur selten weiter.

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Как дела?

„А почему?“ Aber warum? Die junge Frau, die uns gegenüber steht, seufzt und sieht uns aus müden Augen an. Es ist Herbst 2011 in Kriwoj Rog, einer 750.000-Einwohner-Stadt in der Ukraine, reichlich 450 km südlich von Kiew und 450 km westlich von Donezk. Ich habe ihr eben erzählt, dass ich vor fünfunddreißig Jahren in diesen Kindergarten gegangen bin, dessen Leiterin sie jetzt ist. Dass ich nach dieser langen Zeit die Legende in meiner Erinnerung synchronisieren will, einfach mal sehen, wie es wirklich war. Dass ich dafür aus Dresden hierher komme. Als Kind sähe doch alles anders aus, die Welt werde ja mit jedem einzeln erwachsen.
Kriwoj Rog ist für mich Kind geblieben.

Поэтому!

Bei Stepan

Knoblauchsuppe muss ich immer bestellen, wenn ich sie auf der Speisekarte finde. Česnečka. (Ich kriege das mit dem Hatschek übrigens auch bloß durch Copy&Paste hin.)
Jedenfalls gibt es die komischerweise immer seltener, wahrscheinlich, weil sie, ebenso wie das Cassoulet in einem skurrilen Buch, von Generation zu Generation weitergegeben wird, ohne dazu umständlich vom Herd genommen zu werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Sonntag haben wir so eine kleine Kneipe entdeckt, im Niemandsland zwischen Zwergenmarkt und Tankstelle, sehr netter Wirt, Nichtraucherkneipe. Im OsterGebirge. Es gibt auch Smažený sýr.

Mommenschanz

Ach Momme, armes Schwein
Jetzt treten deine Eltern dich
für sich
in die Kirche ein.

Ach Momme, arme Sau,
die nächsten 15 Jahre
gibt’s auch kein Kakao.

Los Momme, schrei es raus,
wir sind uns alle sicher,
du machst das Beste draus.

Bei Rot bitte schreien!

Erst konnte ich diese Aufforderung an einer Brandenburger Fußgängerampel gar nicht glauben. Nachdem ich aber in den folgenden – laut und stinkend an mir vorüberdonnernden – fünfzehn Minuten den vor mir brausenden Verkehr nicht mal eben wie Moses seinerzeit das Wasser teilend durchqueren konnte, blieb mir gar nichts anderes übrig, ja es überkam mich gleichsam im Angesicht des in meinen Augen nunmehr hämisch grinsenden roten Teufels wie von selbst und siehe da, mein wuterfüllter Schrei brachte die heranwogenden Blechmassen tatsächlich zum Stehen und ließ die Ampel von rot auf grün springen.
Auf der anderen Seite angekommen, setzte ich meinen Weg vergnügt fort, hin und wieder markerschütternd schreiend, um das neu entdeckte Talent nicht gleich wieder an die Realität zu verlieren. Im Herbst sollten nämlich Wahlen gefeiert werden.

Ambivalenz rettet Kitsch

Wenn man die uniformierten Lakaien der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten (spsg) mit ihren herablassenden Mienen durch die Gemächer Friedrichs des Großen stolzieren sieht, dann weiß man instinktiv, dass man sich eher dem bildungsfernen Pöbel verbunden fühlt, dass die runden 50 Euro für einen maschinengeführten Rundgang (Familienkarte!!) durch goldenen, dem Volke abgepressten Kitsch, besser in Sprengstoff angelegt wären.
Da man aber dem bildungsfernen Pöbel und seinen Deutschland-sucht-den-Superstar-Abenden genauso fremd gegenübersteht, zahlt man die Kohle für die Nippestour und lässt Sanssouci stehen.