Nasenrücken bei 200 km/h

Morgens. 7:21.
Die meisten sind wieder wach, putzen Zähne, schminken sich an einer der vier Waggonwaschstellen, die Männer rauchen oder spielen Karten. Manche schlafen noch. Wir halten in Städten mit gigantischen Wohnhochhäusern, 30, 40 Etagen und vielleicht höher. Die Frauen an meinem Platz stehen zur Hälfte und schwatzen lustig durcheinander, lachen mich an, eine fährt immer wieder über ihren Nasenrücken und zeigt zu mir. Ich soll etwas antworten, weiß aber nicht worum es geht.
Der Zug fährt auf freier Strecke sehr schnell, sicher 200 km/h. Es fühlt sich alles entspannt an, auch wenn alle Gliedmaßen taub sind. Zähne geputzt habe ich auch schon. Das Zugradio läuft wieder. Noch reichlich 5 Stunden, ich bestehe hauptsächlich aus Hintern.

Zwischen Traum und Traum

Nachts, irgendwo
Um 4 werde ich munter. Das leise Murmeln der zwei Mütter auf den Sitzen gegenüber habe ich als bizarre Gespräche in deutsch und russisch in merkwürdige Träume eingebaut, leider gelingt es mir nicht, diese festzuhalten und aufzuschreiben. Der Waggon ist voller Zombies, die zwischen Schlafen und Wachen gefangen sind, in beim Anblick schmerzenden Positionen verharren, vielleicht seit Stunden. Der Umgang der wenigen Wachen mit ihren geistig abwesenden Mitreisenden wirkt sorgsam, man steigt vorsichtig über in den Gang ragende Gliedmaßen, wechselt sich beim Ablegen des Kopfes auf dem Tisch ab. Es kommt auch kein Essenwagen mehr vorbei. Ich habe überhaupt keine Vorstellung, wo wir uns befinden und schlafe wieder ein.