Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Und es begab sich, dass ich Speaker zum Thema „Ab wann ist ein Influencer ein Influencer“ hätte werden können. Die moderne Welt niest mir ja täglich Auswurf aus den Leben anderer, oft unbekannter Menschen vor’s Immunsystem, da ist die Gefahr groß, sich mit allem Möglichen zu influencen. Timeline nennt sich das und klingt schon ein wenig klebrig. „Immer in die Armbeuge!“, bin ich manchmal versucht zu rufen, dann kann man sich noch gefahrlos die Hand geben und schmiert den Schnodder nicht an die Haltestange im Bus.
Zum Glück bin ich geimpft.

Warum hier alles vierspurig bleiben muss

Drei Wochen war der Skiweltcup vorbei
– den Eingebornen war er einerlei –
Da kam ein Schneegebiet geflogen
Und hat, das war sehr ungezogen,
Mal eben kniehoch alles eingeschneit.
Kostenlos. Es hatte Zeit.

Die ganze frisch beräumte Stelle
Wo vorher noch unglaublich schnelle
Skifahrer die Stöcke schwangen
Und Hymnen durch die Lüfte klangen,
Startpistolen knallend hallten,
Sportreporter aufgeregt rumschallten.

Einfach so, es machte Witze
Über Sachsens Christenspitze.
Jetzt wird die Hofewiese asphaltiert
Mit tausend Tiefkühltruhen dann verziert.
In denen lagert bis Zweitausendzwanzig
Der ganze Schnee. Der wird sonst ranzig.

Ach Palais Sommer…

…dass mit Christoph Gröner – Chef einer der größten Immobilienbuden Deutschlands – Euer Hauptsponsor und maßgeblicher Teil des in der Fragestellung „Demokratie oder Finanzdiktatur“ aufgeworfenen Problems auf dem Podium sitzt, hättet Ihr erwähnen können. Dass Ihr die angeblich zahlreichen Kommentare im Vorfeld der gestrigen Veranstaltung ansprecht, aber anscheinend gelöscht habt, bekommt dadurch einen sehr unangenehmen Geschmack, zumal mit den anderen Podiumsteilnehmern, inklusive der Moderatorin von RT Deutsch – vorsichtig formuliert – recht umstrittene Personen auf der Bühne redeten. Und das oft nicht mal zum Thema, aber das war dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i.
Bin ziemlich ernüchtert, was Euch betrifft, Palais Sommer, Du kleingedrucktes Kulturengagement der Christoph Gröner Gruppe.

Im Land der kritischen Störche

Wenn Julischka einen weißen Pullover mit schwarzen Ärmeln trüge, könnte sie in ihren schicken roten Strumpfhosen konzentriert auf einem Feld schreiten und aufpassen, dass der Bauer richtig mäht. Oder einfach am Straßenrand stehen und fremde Autofahrer zum Anhalten und Fotografieren bringen. So machen das alle Störche hier.
Stattdessen wirft sie ihren kritischen Blick auf eine Wiese am See und sagt nach einer Weile: „Ja, hier können wir bleiben.“

Kein Frosch weit und breit, nicht mal eine Maus.

Eine feste Burg ist unser Gott

„Mapsine sagt völlig sinnloserweise jedesmal den Straßennamen mit, dabei steht hier nirgendwo ein Schild, das den anzeigen würde.“ Wir streifen gerade Warschau und hetzen zwischen rasenden Cayennes und BMWs Richtung Osten, Rage Against the Machine brüllen „Bullet in the Head“ auf die Rückbank.
„Beim nächsten Kreisverkehr zweite Ausfahrt nehmen, um auf Droga Kachowa 8 zu bleiben.“, wiederholt Mapsine stoisch und wir wollen natürlich auf Droga Kachowa [1] bleiben und gehorchen. They say ‚Jump!‘ and you say ‚How high?‘.
Die Nacht verbringen wir auf einem der wenigen polnischen Zeltplätze, uns fällt wieder ein, dass die Menschen hier eher auf feste Häuser stehen. Das liegt wahrscheinlich am Glauben.

[1] Eigentlich heißen die Landstraßen Droga krajowa, nur spricht die Maschine das falsch aus. Noch. Wir dachten erst, dies wäre ein Straßenname.

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