Ayran Man

„You have to unleash your inner Spider-Man!“ Der junge Amerikaner, der uns gerade fast 1000 Meter über dem Meeresspiegel überholt, hat gut reden. Ich klettere überhaupt nicht gerne, schon gar nicht mit einem 14 Kilogramm Rucksack auf dem Rücken.

Rechts neben mir der Abgrund, nicht ganz senkrecht zur malerisch blauen Ägäis tief unter mir. Ein Stolpern hätte minutenlanges in die Tiefe Poltern über das scharfkantige Gestein des Taurus-Gebirges zur Folge, einen formvollendeten Kopfsprung ins Wasser gäbe es zum Abschluss definitiv nicht.

Vor mir die Liebste, der ich hinterherspringen müsste, wenn ihr das passierte, um sie zu retten. Halt, daran darf ich gar nicht denken, sonst muss ich für immer hier oben bleiben. Ihr Schweiß glitzert in der Sonne und am Horizont glitzern schneebedeckte Gipfel.

„My spirit animal is a dolphin!“, rufe ich John hinterher, der leichtfüßig an uns vorbei gemst und gefühlt kaum 10 Minuten später als kleiner, bunter Punkt auf eine halbverfallene Kate in der Ferne weiter unten zusteuert und Ayran bestellt. „Or an otter!“, irgendwas niedliches jedenfalls.

Wie bin ich bloß hier hingekommen?