Nach der Sintflut

Vielleicht ist Venedig untergegangen, bevor ich es gesehen habe. Der Himmel schüttete einen seiner gigantischen Eimer nach dem anderen auf die Stadt, auf uns, auf die Straßen, wo ohne Schwimmbrille überhaupt nichts mehr zu erkennen war. Im Radio lief „Yellow Submarine“ von den Beatles.
Letzteres habe ich mir ausgedacht, es kam „Sun is shining“ von Bob Marley, das Trommelstakkato des Regens überdröhnte es, vielleicht war das Radio auch aus. Wir flossen in reißenden Strömen aus Wasser und Blech die Dolomiten hinab, eine Eibenhecke bremste uns erst kurz hinter der Lagune auf einem kleinen Zeltplatz, wo wir jetzt Blutsbrüderschaft mit Millionen italienischer Mücken trinken.
Morgen nehmen wir ein Boot und sehen nach, was von der Stadt noch übrig ist.

Corona Grillenburg

Am 11.10.2020 wurde Mischenkas Fernweh so stark und schmerzend, dass er in das sich im Tharandter Wald befindliche Grillenburg aufbrach, um die dortigen Menschen und deren Gebräuche kennenzulernen, vielleicht gäbe es ja auch etwas Exotisches zu essen, solcherlei Dingen war Mischenka nie abgeneigt.

Die Anreise über so sagenumwobene Orte wie Freital und Hartha – schon der Klang, dieses so häufig zischend falsch ausgesprochen tie äjtsch – diese Anreise war eine lange, abenteuerliche, kurz hinter Tharandt war nämlich die Straße aufgerissen und eine Ampel regelte den Verkehr.

OMG, wie aufregend!

Oh wie schön ist Südfrankreich!

Als die verschiedenen Gegenden vor langer Zeit hergestellt wurden, geriet Südfrankreich einfach zu perfekt. Ruhrgebiet und Sachsen-Anhalt beschwerten sich sofort lautstark und drohten, von der Erde zu springen, kein Lebewesen könne es ja mit dem Wissen um solch Wunderbarkeit dauerhaft in ihnen aushalten, alle würde es in den Süden ziehen. Logisch. Und nu?

Alles alle!

„Wie jetzt, alles alle?!“ Ramona Bimböse glaubt, sich verhört zu haben. Doch das geht gar nicht, das kann gar nicht sein. Das Verhören ist durch die supraneurale Verbindung zu den anderen Aliens völlig ausgeschlossen, das wurde ihr mehrfach versichert. Angesichts der schwindelerregenden technischen Möglichkeiten, die Ramona auf dem Flug zum Konferenzort unweit des Gürtels des Orions gesehen und erlebt hat, zweifelt sie auch keine Sekunde an der richtigen Übertragung des Inhaltes. „Unweit“, blitzt noch mal kurz am Rande der Aufmerksamkeit auf, „unweit in Anbetracht von eineinhalb Lichtjahren zum nächsten Stern ist ja wohl auch ein bisschen Quark.“ Geht doch gar nicht!

Beim Optiker

Im Alter sieht man noch weniger durch als früher. Weitsichtig und kurzsichtig zugleich, im Prinzip ist alles Nebel, das Gestern, das Hier und Jetzt und das Morgen. Dagegen gibt es Gleitsichtbrillen. Die helfen aber nicht, wenn die Fehlsichtigkeit sich, einem Pilz gleich, bereits durch den präfrontalen Cortex gefressen hat, das Großhirn durchwuchert und unten, tief im limbischen System, einen dichten Pelz bildet. Dort, wo die Gefühle gemacht werden.
Mindesthaltbarkeitsdatum deutlich überschritten, da hilft weder Braten noch Kochen, das kann man nicht mal mehr dem Hund geben.
Der Hobbywissenschaftler in den meisten Mitmenschen beobachtet interessiert das weitere Geschehen, so ein Fellhirn kann ja ganz niedlich aussehen, mal gucken, was draus wird, wegschmeißen kann man es ja immer noch. Aber diesem giftgrauen Flausch würde doch niemand die Kontrolle über weite Teile unserer Gesellschaft überlassen. Oder?