Ayran Man

„You have to unleash your inner Spider-Man!“ Der junge Amerikaner, der uns gerade fast 1000 Meter über dem Meeresspiegel überholt, hat gut reden. Ich klettere überhaupt nicht gerne, schon gar nicht mit einem 14 Kilogramm Rucksack auf dem Rücken.

Rechts neben mir der Abgrund, nicht ganz senkrecht zur malerisch blauen Ägäis tief unter mir. Ein Stolpern hätte minutenlanges in die Tiefe Poltern über das scharfkantige Gestein des Taurus-Gebirges zur Folge und zum Schluss gäbe es definitiv keinen formvollendeten Kopfsprung ins Wasser.

Vor mir die Liebste, der ich hinterherspringen müsste, wenn ihr das passierte, um sie zu retten. Halt, daran darf ich gar nicht denken, sonst muss ich für immer hier oben bleiben. Ihr Schweiß glitzert in der Sonne und am Horizont leuchten schneebedeckte Gipfel.

„My spirit animal is a dolphin!“, rufe ich John hinterher, der leichtfüßig an uns vorbei gemst und gefühlt kaum 10 Minuten später als kleiner, bunter Punkt auf eine halbverfallene Kate in der Ferne weiter unten zusteuert und Ayran bestellt. „Or an otter!“, irgendwas niedliches jedenfalls.

Wie bin ich bloß hier hingekommen?

Küçüklük

Küçüklük muss ich jetzt mal hier hinschreiben, ich lerne gerade Türkisch. Das Wort war mir vor Jahren in Istanbul in einem papiernem Wörterbuch über den Weg gelaufen. Vielleicht wollte ich sogar den Delfin so nennen, der unter der Galata-Brücke Richtung Goldenes Horn sprang. Wie groß er war weiß ich nicht mehr, küçüklük heißt Kleinheit oder auch Kindheit und tauchte bisher nicht in Duolingo auf.
Ich kann schon „ein Mann und eine Frau – bir erkek ve bir kadın“ und noch zwei Handvoll andere Wörter. Mit ein bisschen Glück bleiben sie bis morgen in meinem Kopf, dann passen wieder ein oder zwei neue hinein. Nicht zu viele auf einmal, Türkisch lernen ist eine sehr langsame Wanderung, schweres Gepäck und immer nur bergauf.
Hoffentlich kommt demnächst noch die Aussprache von „Bir erkek ve bir kadın Likya Yolu boyunca yürüyüş yapıyorlar – Ein Mann und eine Frau wandern den Lykischen Weg entlang“ dazu. Ende April geht’s nämlich für zwei Wochen dorthin.

Für die Vorfreude DJ Ipek, fand ich schon vor Jahren super.

Kalorien verbrennen

Vor dem Kloster am Khecheopalri Lake liegt ein großer Haufen Sand auf einer gelben Plane. Einige Menschen schütten ihn mit Blechtellern und Schaufeln in leere Reis- und Linsensäcke. Ältere Bhikkhuni tragen diese dann in einen kleinen Raum unterhalb der Eingangstreppe zum Tempel, wo sie gestapelt werden. Und im Inneren des Tempels werden Mantren gesungen, Lautsprecher übertragen sie nach außen.
Ich beschließe, zu helfen.

Guter Junge!

Abgestempelt

„Ah, Schtamp!“, sagte die ziemlich verlebt wirkende, vielleicht 35 Jahre alte Verkäuferin, zückte rasch ihren Stempel, der griffbereit neben der Kasse des Obstladens lag und stempelte mit Wucht und großer Selbstverständlichkeit in unser „Via Transilvanica – Traveler’s Booklet“.
Micăsasa erledigt.

Isses noch weit?

Ordnung und Schönheit

Logisch, dass es ziemlich heftig anfängt zu regnen, als wir uns zum Trampen an die Straße stellen. Wir bringen Glück, dazu zählt heutzutage auch vreme proastă, Mistwetter.
Ich komme gerade noch so zum Pullern, da hält Julischka schon den ersten Fernlaster an, schwer mit Holz beladen, darin sitzt Constantin, grinst und öffnet die Beifahrertür.

Was ist denn mit unserem Auto?